Meditation

Meditation

Zen-Meditation bedeutet, unser wahres Selbst zu erreichen. Auf diese Weise können wir sagen, dass es bei der Meditation um „Rückkehr“ geht: Die Rückkehr aus dieser hektischen Welt des Denkens, Überdenkens und blinden, unkonzentrierten Begehrens (Termine, Fristen, Stress und Sorgen, Erinnerungen, Angst) an den Ort der vollkommenen Stille bevor Denken entsteht, manchmal „Wahre Natur“, „Wahres Selbst“, „Ursprüngliche Natur“ oder „Weiß-nicht Geist“ genannt. Zen ist die einfache Handlung unsere presente Aufmerksamkeit — die, wenn der Gewohnheit überlassen, ständig unseren Gedanken folgt — einfach auf natürliche Weise zu diesem Moment, seiner ursprünglichen Heimat, zurückkehren zu lassen. Wenn wir sie hier niederzulassen und unseren Atem zu beobachten, das Ein- und Ausatmen, wie die Bewegung der Meereswellen, kehren wir zu unserem urspürnglichen grenzenlosen Gewahrsein zurück.

Zen ist also nichts Besonderes. Wenn du gehst, geh einfach nur. Wenn du isst, iss einfach nur. Salz ist salzig, Zucker ist süß. Es ist sehr einfach. Aber es reicht nicht aus, dies zu verstehen: Wir müssen diesen Punkt erreichen, damit es in unserem Leben mühelos funktioniert.

Um den Punkt des Zen zu erreichen, ist es sehr hilfreich, wenn man eine konsequente tägliche Praxis aufbaut, besonders am Anfang. In dieser Tradition des Zen stützen wir uns auf die großen Übungstechniken der Sitzmeditation, der Gehmeditation, der Gesangsmeditation und der Verbeugung. Lassen Sie uns nun auf jede dieser Techniken im Detail eingehen:

Sitz Meditation

Nehmen wir an, du willst bei schlechtem Licht ein schönes Foto machen. Dies nennt man ein „lang belichtetes“ Foto machen. Dafür braucht man eine gute Kamera, aber man muss diese Kamera auch auf einem stabilen Stativ aufstellen. Wenn du deine Kamera nicht auf ein gutes Stativ stellst, dann wird deine Kamera, selbst wenn sie sehr hochwertig und sehr teuer ist, verwackeln und kein klares Bild einfangen.

Dasselbe gilt für unser Leben: Immer in Bewegung, in Bewegung, in Bewegung, in Bewegung, von einem Gedanken zum nächsten und von einer Situation zur nächsten, ruhen wir nicht lange genug, um einen klaren Einblick in unseren Geist „einzufangen“. Zen im Sitzen ist die grundlegende Stativ-Haltung, um ein lang belichtetes Foto unseres Lebens zu machen.

Hier sind einige grundlegende Anweisungen für Zen im Sitzen:

Versuche, eine Position zu finden, in der deine Knie etwas niedriger als deine Hüften sind. Das stellt sicher, dass dein Rücken allein nicht dein ganzes Gewicht halten muss. Es gibt viele mögliche Positionen, weil wir alle unterschiedliche Bedingungen und Geschichten mit unserem Körper haben. Das Wichtigste ist, den Weiß-Nicht-Geist durch Bewusstsein des Atems zu behalten. Die Haltung muss nicht irgendein bildhaftes Ideal sein. „Körper-Sitzen ist nicht so wichtig“, pflegte Zen-Meister Seung Sahn zu sagen. „Geist-Sitzen ist sehr wichtig.“

Du darfst auch ruhig während der Sitzmeditation leise aufstehen, wenn du mit großen Schwierigkeiten irgendwelcher Art konfrontiert bist.

Wir versuchen unseren Rücken gerade zu halten, aber nicht auf eine angespannte Art. Wenn du im Schneidersitz auf einer Matte sitzt, benutze den Rand eines Kissens als Unterlage, um die Basis der Wirbelsäule sanft anzuheben. Wenn du in einem Stuhl sitzt, lasse die Schultern nicht nach vorn fallen, sondern verwende ein Kissen oder eine Daunendecke an der Basis der Wirbelsäule, um die sanftere, natürliche Kurve des unteren Rückens zu fördern.

In beiden Haltungen hilft die korrekte Unterstützung der unteren Wirbelsäule der natürlichen Kurve des unteren Rückens, so dass die Schultern und der obere Rücken ohne besondere Anstrengung anmutig gerade bleiben.

Zen bedeutet „aufwachen!“. Also meditieren wir in der Zen-Praxis mit offenen Augen und blicken sanft vom Rand der Matte auf dem Boden vor uns nach vorne. Einige Leute, die ins Zen-Zentrum kommen, haben anderswo gelernt, mit geschlossenen Augen zu meditieren, was natürlich auch fortgeführt werden kann,  aber wir ermutigen das nicht als Teil der regelmäßigen Praxis hier.

  1. Alle deine anderen Sinne sind offen. Du hörst, riechst, schmeckt und fühlst die Empfindungen deine Körpers während der Meditation. Warum also nur einen Sinn abschneiden?
  2. Meditieren mit geschlossenen Augen fördert die Erleichterung des Schlafs: Die Grenze zwischen Wachsein und Schlaf ist nicht immer ganz klar. Wenn wir in diese Zustände hinein- und herausdriften, können wir die natürliche Wachsamkeit und Klarheit nicht einfach aufrechterhalten.

Warum also die Augen nach unten? Der Geist ist daran gewöhnt, abgelenkt zu werden, also suchen unsere Augen ständig danach. Sie zu Boden zu bringen, nimmt ihm diese visuelle Ablenkung.

Mahamudra ist die „Methode“, die in der Zen-Tradition gelehrt wird.

Mahamudra: Lege die Hände über oder in deinen Schoß, die linke Hand nach oben in der rechten Hand ruhend, und verbinde die Daumenspitzen sanft. Dies wird vor deinem „Zentrum“ oder Dan jeon (Jap.: Hara) platziert. Es ist eine sehr natürliche Ruheposition für deine Arme.

Desweiteren ist das Ausruhen der sich berührenden Fingerspitzen beim Gravitationszentrum deines Körpers/Geistes eine Art „Trick“, um die Aufmerksamkeit des Denk-Bewusstseins zum Atmungszentrum zu lenken.

Viel Bewegung und Anpassung werden deiner Praxis nicht helfen und werden auch andere stören. Vielleicht wird sich der Typ, der direkt neben dir im Kino sitzt, viel besser über seine Filmerfahrung fühlen, wenn er sich langsam durch eine laute, Plastiktüte Kartoffelchips knabbern, seine übergroße Cola schlürfen und sich von Zeit zu Zeit die Finger knacken kann. Aber wird das deine eigene Filmerfahrung verbessern?

Dasselbe gilt für unsere Dharma Room Etikette. Wir müssen keine Holzroboter sein, in keiner Weise. Aber ein klares Körperbewusstsein hilft dem Wachstum der eigenen Meditation und der Praxis anderer.

Es ist normal, dass dein Knie oder Rücken beginnt, ein wenig zu schmerzen. Versuch am Anfang, weiter zu meditieren, sehr oft vergeht es wieder. Wenn der Schmerz zu problematisch wird, mach eine halbe Verbeugung als stille Höflichkeit, stehe vorsichtig auf und geh hinter dein Kissen, bis dein Knie / Rücken, was auch immer, wieder besser ist.

Die Aufmerksamkeit auf den Atem ist in allen wahren Meditationstraditionen und -schulen von zentraler Bedeutung. Im Zen praktizieren wir mit dem Bewusstsein des Atems: Sanfte Aufmerksamkeit auf deine Atmung, auf diesen natürlichen aufsteigenden und fallenden Fluss des Ein- und Ausatmens, der automatisch geschieht. Wenn ein Gedanke kommt und dich mit zieht, bemerke das einfach, lass es los und kehre wieder zu deinem Atem zurück.

(Ein wichtiger Punkt: Wir lehren die Menschen nicht, sich auf den Atem zu konzentrieren oder sich auf den Atem zu fokussieren. Beide Aktionen haben Spannung, Halten und können nicht lange aufrechterhalten werden. „Bewusstsein“ des Atems ist nicht dasselbe wie „konzentrieren“ oder „Fokussieren“ auf den Atem.)

Es ist, als lerne man surfen. Du steigst auf dein Board und versuchst, dort zu bleiben. Wenn eine Welle kommt, die dich abwirft, steigst du einfach wieder auf. Wenn du das immer wieder tust, wird dein Stand auf dem Bord stärker. Du wirst Stabilität auf dem Board nicht durch Spannung, „Fokussierung“ auf die Welle oder „Konzentration“ auf das Board erreichen. Es gibt nur dieses weiche, natürliche Bewusstsein für die fließende Welle des Atems, zu der wir zurückkehren, was uns zurück zum Hier und Jetzt bringt.

Warum wurde ich geboren? Warum muss ich sterben? Warum gibt es Leid in der Welt? Was ist mein Leben? Was bin ich?“ Der Mensch hat eine Suche nach seiner Existenz. Aber die meisten gehen der Frage nicht nach und überdecken sie stattdessen mit Ablenkungen und einem endlosen Fluss an geistlosen Sinnestäuschungen, die dann zu Anhaftung werden: Leiden.

Durch die Zen-Praxis beschäftigen wir uns mit der natürlich aufkommenden Frage unserer Existenz, durch die natürliche Bewegung des Atems: „Was/wer sitzt hier? Was/wer sieht meinen Atem… geschehen? Was/wer sieht diese Gedanken, die auftauchen und verschwinden? Woher kommt dieses Denken?“ „Was ist der Zeuge?“

Wir „fragen“ dies nicht begrifflich oder mit unserem denkenden Verstand: es ist das natürliche Fragen/Beobachten, das wir über Leben und Tod haben. „Was bin ich?“

Wenn wir uns wirklich mit dieser Frage befassen, wird alles Denken auf natürliche Weise abgeschnitten: Wir kehren zu unserem Geist zurück bevor das Denken entsteht. Das Denken kann nicht dorthin gehen. Es gibt nur weiß nicht…

Sitz Meditation

Geh Meditation

Geh-Meditation ist eine sehr gute, praktische (und gesunde!) Methode, um die Power der Sitz-Praxis in unser tägliches Leben zu bringen. Folge der Gruppe mit der Geschwindigkeit — nicht zu langsam, nicht zu schnell. Die Augen sind entspannt, schauen nach vorne und unten, und machen keine Besichtigung des Raumes.

Geh Meditation

Trage deine Hände vor dir, etwa bei der Ebene der Gürtelschnalle, Finger verschränkt, damit deine Arme nicht hin und her schwingen. Dies bringt natürliche, sanfte Aufmerksamkeit durch deine Fingerspitzen in dein „Zentrum“, oder dan jeon/hara, der Energiepunkt unserer Atemwurzeln direkt unter dem Nabel.

Abgesehen von einigen unvorhergesehenen Notfällen, stehen wir nur während der Geh-Meditation auf, um das Klo zu benutzen. Verbeuge dich einfach vor dem Verlassen oder Betreten des Dharma-Raums und merk dir deine Position in der Schlange, sodass du dort eintreten kannst, wo du rausgegangen bist. Dies hält die entsprechende Achtsamkeitsatmosphäre im Dharma-Raum und unter deinen Mit-Praktizierenden.

Wenn du aufgrund eines Notfalls den Dharma-Raum für das Bad (oder einen anderen Grund) verlassen musst, darfst du erst in der nächsten Geh-Meditationsphase wieder eintreten. Das ist so, aus dem gleichen Grund, aus dem wir während eines klassischen Musikprogramms nicht frei aus einem Konzertsaal kommen und gehen dürfen: nur in den Pausen. Konstante Bewegung stört die Atmosphäre und ermutigt einen verunsicherten Geist, mehr Dinge zu erschaffen, an denen wir festhalten können, anstatt der tiefen „Musik“ unserer wahren Natur zuzuhören.

Gesang Meditation

Es gibt viele Technologien zu Zen: Sitz-Meditation, Geh-Meditation, Verbeugungsmeditation, Mantra-Meditation, Essmeditation, Arbeitsmeditation – warum nicht Sing-Meditation? Jede menschliche Kultur nutzt die Stimme als Werkzeug, um tiefere Klarheit und Einblick in ihre wahre Natur zu gewinnen.

Du wirst auch lernen, wie man meditiert, während du deine Stimme verwendest, was es einfacher macht, die Praxis in das tägliche Leben zu integrieren.

Hyon Gak Sunims Lehrer, Zen-Meister Seung Sahn, gab eine wirklich ausgezeichnete Antwort auf diese Frage im klassischen Buch Dropping Ashes on the Buddha.

Hier ist ein Link zu dieser Lehre:

„Warum wir singen“

Gesang Meditation

Verbeugungs Meditation

Verbeugen ist eine Atemübung. Es stellt unsere Atmung tief in unser Zentrum, weg von der Hektik unseres Denkens. Das Verbeugen senkt das Ego und beruhigt den Geist. Wie wir unseren ganzen Körper zu Boden senken, ist die Brust eingezogen, und Luft kommt heraus; wenn wir wieder aufstehen und unsere Brusthöhle erweitern, tritt die Luft nach innen. Diese kleine Geste hilft bereits, den Geist in einen friedlicheren Zustand zu bringen. In der Verbeugung verneigt sich mein kleines Ich vor meinem großen Ich. Es hat keine religiöse oder sektenartige Bedeutung.

Bowing Meditation

Halbe Verbeugung

Bowing Meditation

Volle Verbeugung

Diese Form um die Praxis herum mag sich ein wenig einschränkend anfühlen, aber all das ist dafür da, uns zu befreien. Äußere Freiheit aufgeben, um innere Freiheit zu erlangen.

Wenn du nicht weißt, was du während der Praxis tun sollst, schauen dich einfach um und folge den anderen.

Mach dir keine Sorgen einen Fehler zu machen. Der einzige „Fehler“ in der Zen-Praxis ist, dein Denken, deine Gefühle oder deine Meinungen festzuhalten. Das gilt für das Leben, für die Beziehungen zu anderen, und so gilt es für die gemeinsame Praxis im Tempel.